Donnerstag, 21. Januar 2010

Vorbereitungen bis zum 11. Februar; 22 Bahman



Zur Geschichte:
Die Islamische Republik fürchtet sich. Dieses mal fürchtet sie sich vor ihrem eigenen Geburtstag. Die grüne Bewegung will an diesem Tag auf die Straße gehen. Wahrscheinlich werden die Unruhen bereits am 31. Januar beginnen. Die darauf folgenden zehn Tage heißen im Kalender der Islamischen Republik "Siegesdekade". Der elfte Februar heißt folglich der "Siegestag". Im iranischen Kalender ist der elfte Februar 22 Bhaman (Twitter-Thema: #22Bahman).

Vorbereitungen:
Die grüne Bewegung bereitet sich im Großen und Ganzen wie jedes Mal auf eine Demonstration vor: Hunderte Poster und Grafiken werden ins Internet gestellt, ausgedruckt, kopiert und verteilt. Die Verteilung funktioniert folgendermaßen: man geht davon aus, dass diejenigen, die über Internet und Satellitenfernsehen verfügen, informiert sind; also werden die Kopien in ärmeren Vierteln der Städte und Dörfer verteilt. Für die Freiheit haben viele Iraner ihr Leben riskiert. Geld ist das, was am wenigsten wert ist.

Neue Strategie der Demonstrationen:
Die grüne Bewegung ist ausgereift. Sie hat gelernt, wie sie weniger für ihre zukünftige Freiheit zahlen kann. Während die Anhänger sich früher auf einer Straße trafen, verteilten sich die Demonstranten auf vielen Straßen, um die Regierungskräfte zu verwirren und zu ermüden. Bei den neuen Demonstrationen soll diese Verteilung noch stärker stattfinden. Jeder Demonstrant geht auf eine Straße, mit dem Zeichen "V" zeigt er den anderen, dass er ein Regimegegner ist. Die Versammlung findet schnell statt, weil sich überall Regimegegner befinden. Die Versammlung soll möglichst gefilmt werden. Kommen die Sicherheitskräfte, so verschwindet die Masse und trifft sich auf der nächsten, bereits abgesprochenen Straße.

Viele Anhänger der grünen Bewegung trugen diesen Tag kurz nach den Wahlen in ihre Kalender als Siegestag der grünen Bewegung ein.



Kommentare:

  1. EINE EUROPÄISCHE PERSPEKTIVE (Frankreich und Deutschland)

    Im Folgenden ein kurzer, fairer und exakter Bericht vergangener europäischen Ereignisse, die nahelegen,
    was die iranische Regierung tun sollte, oder
    was die iranische Regierung vermutlich früher oder später zu tun gezwungen sein wird.


    I. - [Mai 1968 in Frankreich]
    »Dier Studentenrevolte erreichte ihre Höhepunkte während April und Mai 1968: Besonders in Frankreich, in dem die Studenten die Unterstützung der Arbeiter gewannen und ca. 10 Millionen Leute streikten und politische Reformen verlangten,
    die Regierung von DE GAULLE
    • [der übrigens ZEITWEILIG SCHUTZ auf einem Luftwaffenstützpunkt in Deutschland suchen musste !!!]
    • musste WEITREICHENDE KOMPROMISSE machen«

    […]

    II. - [1968 Deutschland - Studentenbewegung]
    »In Deutschland, wo die Studenten nicht die Unterstützung der Arbeiter suchten, und wo folglich die Proteste hauptsächlich begrenzt auf Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Polizei blieben,
    • NAHM DIE NEUE REGIERUNG VON 1969, EINE SOZIAL-DEMOKRATISCH-LIBERALE KOALITION, VIELE IDEEN DER STUDENTENREVOLTE IN IHRE PROGRAMME auf und
    • ERLIESS EINE WEITREICHENDE AMNESTIE für die Gefangenen der Unruhen.
    • Die Reform des deutschen Schulsystem zum Beispiel, die Oberstufenreform der Gymnasien und die Gesamtschulen sind direkte Resultate der Bewegung 68.
    • Gleichermaßen kann das Entstehen der grünen Partei weitgehend den Studenten 68 angerechnet werden.«

    Von: Stephan DAHL. Stephan DAHL. Culture and Culture Transformation, ECE, 1997.

    http://www.stephweb.com/capstone/3.htm http://en.wikipedia.org/wiki/May_1968_in_France http://en.wikipedia.org/wiki/Stephan_Dahl
    [Anmerkung in Klammern von dem unterzeichnenden Kommentator]

    Ihr

    Publicola

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  2. Wenn aber eine Regierung nich kompromissbereit ist, was dann?

    De Gaulle kann man doch nicht mit Ahmadinejad und Chamenei vergleichen, oder?

    Schah von Persien wollte ja auch zu spät Kopromisse einegehen. Und die Dynastien vor ihm mussten auch stürtzen.

    Ich sage es mal so: Ich weiß nicht, ob die iranische Regierung noch die Chance kriegen würde. Dreißig Jahre lang gab es immer wieder studentische Aufstände, auch wenn sie in Deutschland keine Schlagzeilen machten (warum auch immer).

    Die Kluft zwischen unsere Bevölkerung und der Regierung ist sehr groß.

    Es tut mir Leid, dies Mal kann ich Ihnen (noch) nicht zustimmen.

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  3. Sie haben durchaus recht. Meine intensive Hoffnung hat meinen Blick etwas getrübt. Natürlich hoffe ich trotzdem, dass bei diesen chaotischen Verantwortlichkeiten ganz vorsichtig irgendwelche Politiker mit einem Minimum an "ratio" im Körper eine minimale Stimmungsänderung herbeiführen könnten, was dadurch schon allein zu einem fairen inneren Frieden und zu einem Weniger von staatsinduziertem Hass führen würde.

    Danke für Ihren Hinweis!

    Publicola

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