Samstag, 13. März 2010

Gegner der grünen Bewegung

Die grüne Bewegung ist sehr vielfältig. Sie besteht aus sehr unterschiedlichen politischen, religiösen und ethnischen Gruppierungen. Ihre Anhänger sind teilweise religiös, teilweise säkular. Während die einen schon immer Gegner der islamischen Republik waren, waren die anderen zeitweise hochrangige Politiker dieser Regierung. Die grüne Bewegung hat aber auch ihre Gegner. Mit diesem Artikel will ich die Denkweise der Gegner der grünen Bewegung dem Leser näher erläutern. Dazu kommentiere ich, warum diese Gruppen keine erwähnenswerte Anzahl an Anhängern in der iranischen Bevölkerung gewinnen können.

1. Islamische Republik

Noch nie hat eine Organisation oder Bewegung die islamische Republik so gefährdet und geschwächt wie die grüne Bewegung. Viele noch lebende Gründer der islamischen Republik sind Teil dieser Bewegung. Die symbolischen Führer dieser Bewegung, Mousavi und Karroubi, oder der verstorbene Groß-Ajatollah Montazeri sind nur wenige Beispiele. Die Islamische Republik war bisher oft Thema dieses Blogs und wird in diesem Artikel nicht weiter analysiert.

2. Kommunisten

Iranische Kommunisten leben hauptsächlich in Deutschland und sind meist älter als vierzig Jahre. Entweder verließen sie das Land kurz nach der Revolution oder sie änderten ihre Meinungen mit der Zeit und der Entwicklung der Welt.

Die iranischen Kommunisten sind der Ansicht, dass es keinen Unterschied zwischen den Reformisten wie Khatami und Khamenei oder Ahmadinejad gibt. Sie behaupten, das Ganze sei nicht mehr als ein innerer politischer Machtkampf. Die kleinen Änderungen seien nur zur Beruhigung der Bevölkerung, damit die Islamische Republik weiter bestehen kann. Den Kommunisten wird vorgeworfen, nicht differenzieren zu können. Die grüne Bewegung unterscheidet sogar zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb der heutigen Regierung.

Mit dem Beginn der grünen Bewegung änderten viele von ihnen ihre alten Ansichten und wurden grün. Die anderen hoffen aber, dass die iranische Jugend von Mousavi enttäuscht wird und Teil der existierenden kommunistischen Bewegung wird, die im Iran aber nicht existiert. Ein Teil dieser Gruppe hat hat also noch nicht erkannt, dass Mousavi kein Anführer der grünen Bewegung ist, sondern nur eine Schlüsselrolle in der Bewegung spielt. Selbst wenn die Anhänger der grünen Bewegung von Mousavi enttäuscht würden, gäbe es keinen Grund sich von der Bewegung zu entfernen, weil für sie nicht die Personen, sondern die Ideen von Bedeutung sind. Ein Motto der grünen Bewegung ist: "Jeder Bürger ein Anführer". Damit wäre zum Beispiel auch eine mögliche Verhaftung Mousavis nicht das Ende der Bewegung.

Der andere Teil dieser Gruppe, der weiß, dass Mousavi nur ein symbolischer Anführer der Bewegung ist, kennt die Bedürfnisse der Bevölkerung und Jugend nicht, weil er keinen Kontakt mit ihr hat. Die Freiheiten, die ein Iraner sich wünscht, wären in einem kommunistischen Staat nicht vorhanden. Die politische Meinung der Kommunisten ist außerdem für die iranische Jugend eher abschreckend und altmodisch.

3. MKO

Die terroristische Organisation MKO behauptet, die iranischen Demonstranten seien ihre Anhänger! Sie geben sich als demokratisch und liberal aus, auf den von ihnen bewohnten Straßen in Bagdad müssen aber die Frauen auf einer Straßenseite, die Männer auf der anderen Seite laufen. Außerdem wird ihren Mitgliedern vorgeschrieben, wer wen heiraten soll. Für einen Iraner sind MKOs viel schlimmer und radikaler als die islamische Republik. Die grüne Bewegung gehört keiner einzelnen Gruppe.


Fußnote
Dieser Artikel wurde recht lang, obwohl ich versuchte mich so kurz wie möglich zu fassen. Trotzdem glaube ich, dass dem Leser noch Fragen offen bleiben. Gerne können wir in den Kommentaren solche Fragen diskutieren.

Kommentare:

  1. Sehr gut erklärt! Danke !

    [Ihre Selbstkritik hinsichtlich der - nicht vorhandenen ! - Überlänge Ihres Textes ist nicht zutreffend;
    Ihr Text ist absolut kurz; komplizierte Dinge können nicht
    in drei Sätzen
    oder
    mit Ausrufen wie "Mhmh", "Aha", "Ach so"
    oder
    durch primatenartiges Trommeln auf den behaarten Brustkorb
    abgehandelt werden]

    AntwortenLöschen
  2. Danke, es beruhigt mich sehr. Den Artikel habe ich nämlich viermal gekürzt. Ich denke, dass lange Artikel viele Leser von dem Thema eher abschrecken könnten.

    AntwortenLöschen
  3. Ich habe schon verschiedenene Artikel mit Gedanken über die Unterschiedlichkeit der Iraner gelesen, und Ihrer war der kürzeste. Sie besitzen einen eher erzählenden als einen wissenschaftlich-analytischen Stil und der ist leicht zu lesen. Es kommt von Herzen und das lese ich gerne.

    AntwortenLöschen
  4. Finde ich gut, dass alle mal um sich schauen und ihre Unterschiedlichkeit feststellen. Was mich etwas nachdenklich stimmt, ist: sie nehmen sich als Gegner wahr.
    Besonders die jungen Leute wünschen sich ausdrücklich eine Demokratie. Sind sie sich der Konsequenzen bewusst? Oder wünschen sie sich nur, dass sie das Sagen haben?
    Die Iraner meines Vertrauens sagen: wenn der und der sich nicht anpassen, dürfen sie verschwinden!
    Aber "sie" werden nicht verschwinden.
    Zu Kommunisten und Mko kommen noch die Monarchisten, ethnische Gruppen, religiöse Gruppen und ... Sie alle fordern Gerechtigkeit und wollen ihre Meinungen in das System einbringen.
    Nicht zu vergessen die Islamisten. Wer die verjagt, hat sie am Hals - für eine sehr lange und gewalttätige Zeit.
    Es werden noch mehr unterschiedliche Gruppen deutlich werden, wenn einmal der Druck fehlt, zusammenhalten zu müssen.
    Demokratie ist ein Prozess und dauert.
    Ich bin sehr gespannt, ob sich die Menschen im Iran zusammenraufen können, ich wünsche es ihnen von ganzem Herzen.

    AntwortenLöschen
  5. @anonym: danke.

    @Lews: die Monarchisten und thnische und religiöse Minderheiten sind ebenfalls ein Teil der grünen Bewegung. Die Monarchisten haben die grüne Bewegung nach den Wahlen unterstützt, und gestehen ein, dass sie Mousavi falsch eingeschätzt hatten (wer hat Mousavi nicht falsch eingeschätzt? Ich glaube nicht, dass er selber jemals gedacht hätte, er wurde so gegen Khamenei stehen)

    Prinzipiell gebe ich Ihnen aber recht. An die Zusammenhalt müssen wir arbeiten.

    AntwortenLöschen
  6. @Lews (2): Verstehen Sie mich nicht falsch: die Zusammenhalt stimmt momentan. Zum Glück ist die Vielfalt der grünen Bewegung ihre Anhänger und Schlüsselfiguren bekannt und wird diskutiert. Mousavi z.B. schreibt über diese Vielfalt in seinen Statements und versucht die gemeinsame Forderungen der Bewegung klar zu stellen.

    AntwortenLöschen
  7. @Lews (3)
    mir ist noch etwas eingefallen. Wir sehen die Kommunisten nicht als "unsere" Gegner, sondern gegen die grüne Bewegung. Persönlich sind sie nette Menschen.

    Ich schrieb sogar über Bassij-Mitglieder, dass sie zum Teil nur Opfer der Gesellschaft sind. Vergleichen sind ach Mousavi's 11. Statement auf diesem Blog über Bassijis die "Tod für Mousavi schreien"

    AntwortenLöschen
  8. Vielleicht ist Zusammenarbeit wirkungsvoller als Zusammenhalt. Könnte beeindruckend sein,nach dem Motto: wir sind uns der Verschiedenheit bewusst und auch, dass wir nicht eins sind, aber wir sind uns einig und wollen gemeinsam...

    AntwortenLöschen
  9. richtig, Zusammenarbeit findet zwischen vielen Gruppen statt: Säkularen, Religiösen und Monarchisten. In Deutschland war es aber wohl so, dass z.B. Kommunisten gesagt haben, warum soll die Farbe grün sein, und nicht rot! Mit MKOs will keiner zusammen arbeiten, weil das Vertrauen fehlt.

    AntwortenLöschen