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Dienstag, 16. November 2010

Deutsche Journalisten "gestehen" im staatlichen Fernsehen

Gestern (Montag Nacht) fand erneut ein Schauprozess im iranischen Fernsehen statt. Dieses Mal waren auch zwei Deutsche in der Sendung Zwanzig-Dreißig zu sehen.

Hintergrund

Die zwei deutschen Journalisten waren mit Touristenvisa in den Iran gereist, um den Sohn von Frau Ashtiani zu interviewen. Frau Ashtiani wurde zuvor wegen Ehebruchs zur Steinigung verurteilt, wegen internationalen Druckes lebt sie aber noch. Wer sich mehr über den Fall informieren will, dem empfehle ich diesen Artikel der Frankfurter Rundschau zu lesen.

Donnerstag, 15. April 2010

Schlagzeilen der Woche (#8)

Erneute Demonstrationen an den Universitäten nach den Neujahrsferien

In Teheran demonstrierten Studenten der Allameh Tababatai Universität gegen den Besuch des Ahmadinedjad-Beraters Mojtaba Hashemi Samererh (s. Video unten)


Außerdem protestierten Studenten von Birjand gegen die schlechte Bedingungen an den Wohnheimen und Fakultäten und forderten den Rücktritt des Universitätspräsidenten (Fotos unten).


Rafsanjani stellt sich wiederholt hinter Chamenei


"Staatsinteressen" von Nikahang Kowsar

Rafsanjani, unter anderem auch Vorsitzender der Versammlung zur Erkennung der Systeminteressen, erklärte, er kenne keinen besseren Revolutionsführer als Chamenei. Außerdem sei es für die Interessen des Volkes am besten, die Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009 anzuerkennen. Rafsanjani erklärte außerdem, dass er wieder Freitagsgebete in Teheran predigen werde, wenn er dies für notwendig halte. 

Ex-Präsident Khatami erhält Reiseverbot (mehr dazu auf Julias Blog)

Als Ahmadinedjad in die heilige Stadt Qom gereist ist, verweigerten iranische Geistliche ein Treffen. 

Vergleichbare Artikel:
Julias Blog: Kluft zwischen dem iranischen Präsidenten und Geistlichen in Qom

Samstag, 29. August 2009

Teherans Staatsanwalt wurde gewechselt


Der neue iranische Justizchef wechselte heute den unbeliebten Staatsanwalt Teherans, Mortazavi. Mortazavi wurde weltbekannt, als die kanadische Regierung ihn für den Tod von Zahra Kazemi, iranisch-kanadische Journalistin, verantwortlich machte. Viele reformatorische Zeitungen der letzten zehn Jahre sind außerdem unter seinem Befehl geschlossen worden, achtzehn an einem Tag war sein Rekord.

Alle Verhaftungen der Reformisten und Journalisten nach den letzten Wahlen wurden ebenfalls nach seinem Befehl erlassen.

Über die Entlassung wurde seit einer Woche spekuliert. Bewundernswert ist auch, dass der Name des Nachfolgers ebenfalls seit Tagen auf Homepages der Reformisten stand. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage mit den Gefangenen (manche nennen sie Geiseln) passiert.

Diese Nachricht kann man als einen weiteren Rückzieher interpretieren.

Grüße,
Dust and Trash

Donnerstag, 27. August 2009

Zum Schauprozess Nr. 4


Hajjarian, über ihn habe ich schon mal geschrieben (hier klicken um zu lesen). Momentan wird er in den unabhängigen Blogs oder Zeitungen mit Galilei verglichen. Hajjarian musste gestehen, dass alles, was er bisher über Geisteswissenschaften gelesen hat, falsch sei und nicht mehr an den Universitäten unterrichtet werden solle!

Sehr lesenswert zu diesem Thema:
http://www.zeit.de/online/2009/35/iran-schauprozesse

Euer
Dust and Trash

Sonntag, 2. August 2009

Augen lügen nicht.

Links: Vor der Gefangenschaft
Rechts: 40 Tage danach im Gerichtssaal



Der frühere Vizepräsident Irans. Er sprach von Gedichten und Literatur, hatte seine eigene Blogseite, fotografierte und schrieb Satiren.

Seiner Frau hat er gesagt, er kriege Pillen im Gefängnis, die ihm das Geschehen in der Welt unwichtig machen.

Abtahi ist ein beliebter Mullah bei der Jugend. Jetzt mehr denn je. Am Samstag musste er lügen. Farsnews, eine halbstaatliche Seite, die für ihre Propaganda- und Hass-Nachrichten bekannt ist, dürfte als einzige Nachrichtagntur berichten, was Abtahi und hundert andere gesagt haben sollen. Der Stil und Inhalt des Textes deuten darauf hin, dass sie von Kayhan, eine faschistische regierungsnahe Zeitung Teherans, vorgeschrieben wurden. Unter welchen Umständen er nachgeben müsste ist unklar. Klar ist: Abtahi hatte achtzehn Kilogramm abgenommen. In seinen Augen sieht man die Angst. Er weiß wahrscheinlich nichts von der grünen Bewegung. Er weiß wahrscheinlich schon, dass seine Verhörer ihn anlügen. Vielleicht haben sie ihm gesagt, Mousavi hat in den USA Asyl genommen. Oder Khatami hat gebeichtet, er habe von CIA, BBC und Israel Geld bekommen.

Seine Augen verraten aber der Welt die Brutalität des Systems. In seinen Augen liest man wie schwach das System geworden ist, das hilflos mit allen Mitteln versucht alles in den Griff zu bekommen. Nur damit Abtahi sagt, es gab keinen Wahlbetrug. Weiß eigentlich Abtahi, dass die Menschen noch auf die Straße gehen? Wahrscheinlich nicht.

Hier zwei Berichte des Wochenmagazins Die Zeit mit ausführlichen Berichten:

http://www.zeit.de/online/2009/32/gehlen-schauprozess-iran hier klicken
http://www.zeit.de/online/2009/32/iran-ahmadineschad-opposition hier klicken

Übrigens hatte der frühere Informationsminister nicht akzeptiert, dass dieser Schauprozess veröffentlich wird, weil es dem Regime mehr schade, weil er meinte der Schauprozess mache die Menschen noch wütender. Deswegen wurde er gefeuert. Deshalb ist momentan Ahmadinedjad auch persönlich Informationsminister. Das System stürzt so langsam in sich zusammen. Hoffentlich muss nicht das mutige Volk noch mehr dafür leiden.