Montag, 12. Juli 2010

Rahnavard zur Kritik an der grünen Bewegung und Steinigung

Fershte Ghazi, Menschenrechtsaktivistin und Journalistin interviewte heute Zahra Rahnavard, Mousavis Frau. Die Einleitung von Rooz [1] zum Interview ist eine gute Zusammenfassung des Interviews und erklärt gleichzeitig dessen Hintergründe. Dazu übersetzte ich die letzte Frage des Interviews, in der Rahnavard ihre Meinung zum barbarischen Gesetz der Steinigung äußerte.



Das vollständige Interview ist mittlerweile auf Julias Blog vorhanden.


Einleitung von Rooz:
 
Während die Diskussion über die Notwendigkeit oder das Vermeiden der Kritik an der grünen Bewegung und Mousavi zugenommen hat, sagt Zahra Rahnavard in einem Interview zu "Rooz": "Jemand, der nicht kritisiert wird, fault und wird wie ein Moor. Wir heißen alle Kritiken, die aus Freundschaft und Liebe zur Bewegung geäußert werden, willkommen."

Vom Beginn der grünen Bewegung an haben Mousavi und Karroubi, zwei Kandidaten, die der Regierung Wahlbetrug vorwarfen, vom "Pluralismus" der grünen Bewegung gesprochen. Sie haben mehrfach betont, dass in dieser Bewegung alle Gegner der heutigen Situation [des Irans] beteiligt seien. Außerhalb Irans haben aber manche Persönlichkeiten und Gruppen die Bewegung sehr fraglich definiert und interpretiert [s. beispielsweise der Artikel Keine Sprecher der grünen Bewegung: Kadivar und Mohajerani]. Zahra Rahnavard haben wir in so einer Situation interviewt. Aber Rahnavard, betonend darauf, dass "Vielfalt und Pluralismus zum Charakter der grünen Bewegung gehören", sagte: "Alle, die an eine Veränderung in Richtung Freiheit und Demokratie glauben und gegen eine Einmischung des Systems und des Staates in die private Angelegenheiten der Bevölkerung sind, sind grün." [2]

Zum Thema Steinigung

Fereshteh Ghazi: Kürzlich war die Rede von der Steinigung einer Frau in Tabriz. Heute sind drei Männer und elf Frauen gefährdet, gesteinigt zu werden. Sie haben neulich Ihre Meinung zur Todesstrafe erwähnt [3]. Heute würde ich gerne Ihre Meinung dazu [zur Steinigung] wissen, weil Herr Mohammad Javad Larijani Steinigung als ein islamisches Gerichtsurteil bezeichnete [4].

Zahra Rahnavard: Ich beharre sehr auf Frauenrechten und Abschaffung der Diskriminierung von Frauen. Nirgends im Koran bin ich auf das Thema Steinigung gestoßen und glaube, dass diese Diskussion im Koran nicht stattfindet. In meinen eigenen Recherchen habe ich im Koran nichts als Güte zu Menschen gesehen. Ich kritisiere diskriminierende Gesetze sehr und sehe ihren Ursprung nicht im Islam und glaube sie [solche Gesetze] sollten verbessert werden, und in solchen Fragen bin ich nicht kompromissbereit und bin persönlich für den Galgen vorbereitet.

Quelle (pers.):
http://www.roozonline.com/persian/news/newsitem/article////107/-6a5b308292.html


Fußnoten

[1] Rooz ist die meistgelesene Online-Zeitung im Iran. Die Journalisten dieser Zeitung sind teilweise unabhängig, teilweise Reformisten, die im Exil oder im Iran schreiben. Zwei der mutigsten Autoren dieser Zeitung, Zeidabadi und Saharkhiz, sind momentan im Gefängnis. Zumindest unter der Prominenz sind sie die einzigen, die bis heute keinen einzigen Gefängnisurlaub hatten.

[2] Im Interview erwähnt sie, dass MKOs praktisch nicht zur grünen Bewegung gehören können. Tatsächlich distanzieren sich Aktivisten der grünen Bewegung von dieser Gruppe (s. Gegner der grünen Bewegung)

[3] Rahnavard schrieb, dass zwei Drittel der Länder der Welt von der Todesstrafe Abschied genommen haben und sie durch Alternativen ersetzt haben (Quelle, pers.)

[4]Vorsitzende des Menschenrechtsrates in der Justiz (!), Mohammad Javad Larijani, verteidigte neulich die Steinigung als rechtmäßigen Akt unter dem Recht der Schariah.

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