Montag, 7. Februar 2011

14. Februar; Bricht das Schweigen?

25 Bahman (14. Februar) 
15 Uhr
Vom Imam-Hossein-Platz zum Azadi-Platz 

Eigentlich wollten ein paar Aktivisten zu Demonstrationen am 11. Februar aufrufen. Am 22 Bahman, dem Siegestag der islamischen Revolution. An dem Tag, an dem vieles schief ging letztes Jahr. Die Aktivisten waren leicht verzweifelt: "Klappt es dieses Jahr oder nicht? Können wir viele Menschen mobilisieren? Reichen 300 Menschen um eine größere Demo auszulösen", schrieben manche Blogger und Aktivisten. Gestern (am Sonntag) aber sorgte ein Brief für Überraschung und Hoffnung. Mousavi und Karroubi stellten in einem gemeinsamen Brief einen Antrag auf Genehmigung eines Solidaritätmarsches für die Aufstände gegen die Diktaturen in Ägypten und Tunesien. Der Brief lautet (Übersetzung übernommen aus Julias Blog):
"Wir möchten hiermit bekannt geben, dass wir aus Solidarität mit den Volksbewegungen in der Region, insbesondere mit den nach Freiheit strebenden Aufständen des Volkes in Tunesien und Ägypten gegen ihre tyrannischen Regimes, um Genehmigung ersuchen, zu einer öffentlichen Demonstration gemäß Artikel 27 der Verfassung aufrufen zu dürfen. Wir möchten damit die Volkserhebungen in diesen beiden muslimischen Ländern unterstützen. Der Marsch soll am Montag, dem 14. Februar [um 15 Uhr] stattfinden und vom Imam-Hossein-Platz zum Azadi-Platz führen.".
Die Nachricht mit einer Kopie des Briefs erschien zunächst auf zu Mousavi und Karroubi nahen Webseiten. Sie schlug wie eine Bombe ein. Blogger und Aktivisten verbreiteten die Nachricht rasant. Eine Facebook-Seite wurde für diesen Tag eingerichtet, auf der namhafte Aktivisten der grünen Bewegung die neuesten Poster, Videos und Nachrichten zu diesem Tag veröffentlichen. Innerhalb von 24 Stunden erreichte die Seite eine Anzahl von über 10.000 Mitgliedern. Möglicherweise werden die Meldungen auch bald auf Englisch erscheinen.

Mit diesem Brief zeigten Mousavi und Karroubi wie kreativ und wichtig sie für die Grüne Bewegung sein können. Eigentlich handelt der Brief von einer Solidaritätsdemo mit der Volksbewegung in Nordafrika, geschrieben am Innenministerium Ahmadinedjads - vermutlich wird der Innenminister der Putschregierung keine Erlaubnis für die Demonstration erteilen - , Karroubi und Mousavi schlagen aber dem Volk einen guten Termin und Ort vor: Nicht am 11. Februar, für den sich die Sicherheitsbehörden wahrscheinlich gut vorbereitet haben, sondern drei Tage später. Nur acht Tage haben die Sicherheitsbehörden Zeit um sich vorzubereiten. Die Aktivisten der grünen Bewegung natürlich auch. Zum Glück sind wir aber im Internetzeitalter.

Es gibt auch diejenigen auf Facebook, die fast drohend schreiben, wer auf die Demonstration gehe, unterstütze die Islamische Republik, weil sie von Mousavi und Karroubi vorgeschlagen wurde! Schon klar. 

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