Sonntag, 8. April 2012

Trennung - notwendig für Einheit?


Heute redet man viel über Trennung; viele fühlen sich der Grünen Bewegung nicht mehr nahe genug und sprechen von Trennung. Aber warum? Hat man denn "united we stand, devided we fall" vergessen? Manche Befürworter der Trennung sind der Meinung, dass eine Trennung zum jetzigen Zeitpunkt notwendig für eine Einheit in der Zukunft ist!


Nach der Geburt der Grünen Bewegung sprachen alle über die Notwendigkeit der Einheit verschiedener oppositioneller Gruppen. Alle sagten, die Grüne Bewegung sei pluralistisch. Niemand hatte ein Problem mit dem Pluralismus. In der Politik kann nur in Taten festgelegt werden, wie ernst jemand etwas meint. Ist die Einheit so wichtig, dass man bereit wäre, Kompromisse einzugehen? Oder auf andere einzugehen? Zuhören, was sie sagen? Oder ist die Einheit nur dann gut, wenn alle ihr gehorchen und zujubeln?

Was ist denn passiert?
Rasa TV, das Fernsehen der Reformer der Grünen Bewegung, ging Pleite, weil nicht genügend Menschen gespendet hatten. Es gibt sehr viel iranisches Fernsehen im Ausland, das mittels Spenden langfristig überlebt hat. Dass gerade das Fernsehen der Grünen Bewegung keine Spenden bekam, lag also nicht an Mittellosigkeit der Iraner. Rasa TV war langweilig, ihr Programm war dem des staatlichen Fernsehens sehr ähnlich. Frauen, die bei BBC oder Voice of America ohne Kopftuch erschienen waren in Rasa TV nur mit Kopftuch zu sehen (warum wohl?).

Religiöse Reformer sind hauptsächlich frühere linke Islamisten (nicht im Sinne des Fanatismus), die sich im Laufe der letzten 20 Jahre von den Konservativen getrennt haben. Manche wie Ex-Präsident Khatami haben sich früher von den Konservativen getrennt, andere wie Mousavi später. Es wäre falsch zu sagen, das iranische Volk habe Reformern nur deshalb gewählt, damit sie der Islamischen Republik "Nein" sagen. Wenn 70% oder 80% der Bevölkerung eine politische Gruppe wählt, befürwortet zumindest ein Teil von diesen Wählern die gewählte Politik. Khatami sprach 1997 in seiner Wahlkampagne von Rechtsstaat, Legalisierung der Satelliten und einem möglichen Dialog mit den USA. Politisch konnte oder wollte er nicht viel verändern. Deshalb ist die Frage gerechtfertigt, wie Khatami heute etwas verändern soll, wenn er es als Präsident nicht schaffte.

Viele junge Menschen machten aus Khatami jemanden, der er nicht war. Viele glaubten, dass Khatami ein Gegner der Islamischen Republik war. Deshalb waren sie enttäuscht, als Khatami sich am 2. März in letzter Minute in einem abgelegenen Wahllokal an der iranischen Parlamentswahl beteiligt hat. Vermutlich wollte Khatami aber mit seiner Aktion den Menschen sagen, dass er nicht der ist, für den sie ihn hielten. Viele seiner Anhänger sagen aber, Khatami habe aus "Weitsichtigkeit" gewählt. Er wisse etwas, was wir nicht wissen.

Das sind Gründe für viele zu sagen: "wir müssen unsere eigene Stimme finden, wir müssen uns von ihnen (Grüne Bewegung) trennen. Wir müssen eigene Demos organisieren, damit wir zeigen können, dass wir viele sind. Damit wir Gehör bekommen. Erst dann können wir wieder zusammen auf die Straße gehen." .

Das Vertrauen ist so wenig geworden, dass manche sich fragen, ob die Politiker der Grünen Bewegung solche Demos dulden würden. Würde ein Reza Pahlavi (ZDF Interview) seine Anhänger zu einer Demonstration aufrufen, würden Reformer dann mit Schlagstock die Demonstranten verprügeln?!

Ob diese Argumente "richtig" oder "falsch" sind, bleibt dem Leser überlassen. Alleine die Tatsache, dass heute mehr als je zuvor über Trennung geredet wird, war der Grund, diesen Artikel zu schreiben. Schreiben Sie Ihre Meinung dazu (hier, in Facebook oder in Google Plus).


Cartoon von Necmi

Kennen sie gute Alternativen zu den Reformern? Oder sind Sie der Meinung, dass Alternativen erst gebildet werden müssen? Oder finden Sie Reformern alternativlos?

Vergleichbare Artikel:
Warum der letzte Protestaufruf im Iran so erfolglos war

Kommentare:

  1. Das ersten Eindrücke aus der iranischen Gesellschaft habe ich aus dem Buch "Schahsade's Tochter" gewonnen, geschrieben von einer Frau, die in einer adeligen Familie aufgewachsen ist und später maßgeblich an der Einführung von allgemeinen Schulen beteiligt war. Sie beschreibt sehr eindrücklich, wie die iranische Gesellschaft sich zusammensetzt.
    Ich kann heute beobachten, was sie beschreibt, es hat sich nicht viel geändert. Meine Beobachtungen:
    Das Bezeichnende der iranischen Gesellschaft ist: sie vertrauen einander nicht. Die Grenze ihres Vertrauen ist die Grenze der Familie. Selbst die sogenannten "Hardliner" vertrauen einander nicht, sondern sie haben sich in der Hand. Was soviel heißt wie: sie sind sich verpflichtet durch Beziehungen, Erpressung oder Gefälligkeiten. Genau das ist es, was auch jeder Iraner als funktionierende gesellschaftliche Beziehung lernt, dass Einfluss durch Beziehungen zu Mächtigen und zur Macht funktioniert. Nicht durch Überzeugung, Diskussion oder Pluralismus.
    Einigkeit erzielte nur man durch eine gemeinsame Idee der Feindseligkeit, schon während der Zeit Khomeinis wurde Einigkeit nur durch eine Haltung erzielt: gegen etwas zu sein. Das scheint mir auch der Grund, weshalb er den Krieg künstlich um 6 Jahre verlängert hat.
    Aber diese Einigkeit ist eine Illusion, die im echten Leben nicht standhält. Man kann sich eine Zeit lang eins machen, gegen etwas zu sein.
    Aber wofür ist man?

    Ich denke, dass Khatami sehr wohl eine durchgreifende Reform im Sinn hatte, aber in Beziehungen und Deals gefangen war. Denn darin sind die Iraner Meister. Siehe die jüngsten Aussagen von Rafsanjani, er sagte, dass er als Präsident sehr wohl etwas ändern wollte, aber "gewisse Leute" ihn nicht ließen.
    Das könnte auch eine andere Sicht auf den jetzigen Präsidenten werfen, der als einziger mutig genug war und ist, seine Ruf und seinen Frieden aufs Spiel zu setzen, um "gewissen Leuten" nicht das Feld zu überlassen.
    Alternativen? Ich fände es wichtig zu lernen, wie man aneinander vertraut. Dem anderen etwas zutraut. Dem anderen etwas anvertraut. Verantwortung weitergeben, an einzelne und an kleinere Gruppen. Lernen, wie man Kompromisse macht, im kleinsten Kreis anfangen und langsam größere Kreise ziehen. Für etwas sein.
    Das geht auch ohne Regierung.

    AntwortenLöschen
  2. Das ersten Eindrücke aus der iranischen Gesellschaft habe ich aus dem Buch "Schahsade's Tochter" gewonnen, geschrieben von einer Frau, die in einer adeligen Familie aufgewachsen ist und später maßgeblich an der Einführung von allgemeinen Schulen beteiligt war. Sie beschreibt sehr eindrücklich, wie die iranische Gesellschaft sich zusammensetzt.
    Ich kann heute beobachten, was sie beschreibt, es hat sich nicht viel geändert. Meine Beobachtungen:
    Das Bezeichnende der iranischen Gesellschaft ist: sie vertrauen einander nicht. Die Grenze ihres Vertrauen ist die Grenze der Familie. Selbst die sogenannten "Hardliner" vertrauen einander nicht, sondern sie haben sich in der Hand. Was soviel heißt wie: sie sind sich verpflichtet durch Beziehungen, Erpressung oder Gefälligkeiten. Genau das ist es, was auch jeder Iraner als funktionierende gesellschaftliche Beziehung lernt, dass Einfluss durch Beziehungen zu Mächtigen und zur Macht funktioniert. Nicht durch Überzeugung, Diskussion oder Pluralismus.
    Einigkeit erzielte nur man durch eine gemeinsame Idee der Feindseligkeit, schon während der Zeit Khomeinis wurde Einigkeit nur durch eine Haltung erzielt: gegen etwas zu sein. Das scheint mir auch der Grund, weshalb er den Krieg künstlich um 6 Jahre verlängert hat.
    Aber diese Einigkeit ist eine Illusion, die im echten Leben nicht standhält. Man kann sich eine Zeit lang eins machen, gegen etwas zu sein.
    Aber wofür ist man?

    Ich denke, dass Khatami sehr wohl eine durchgreifende Reform im Sinn hatte, aber in Beziehungen und Deals gefangen war. Denn darin sind die Iraner Meister. Siehe die jüngsten Aussagen von Rafsanjani, er sagte, dass er als Präsident sehr wohl etwas ändern wollte, aber "gewisse Leute" ihn nicht ließen.
    Das könnte auch eine andere Sicht auf den jetzigen Präsidenten werfen, der als einziger mutig genug war und ist, seine Ruf und seinen Frieden aufs Spiel zu setzen, um "gewissen Leuten" nicht das Feld zu überlassen.
    Alternativen? Ich fände es wichtig zu lernen, wie man aneinander vertraut. Dem anderen etwas zutraut. Dem anderen etwas anvertraut. Verantwortung weitergeben, an einzelne und an kleinere Gruppen. Lernen, wie man Kompromisse macht, im kleinsten Kreis anfangen und langsam größere Kreise ziehen. Für etwas sein.
    Das geht auch ohne Regierung.

    AntwortenLöschen
  3. Genau. Wofür man ist, ist die entscheidende Frage. Dieser Artikel habe ich als eine Einleitung für spätere Artikel geschrieben, in denen ich deine Argumente auch eigehen werde:

    Alternativenbildung; von unten nach oben. Die Idee ist Folgende: Menschen schreiben, wofür sie sind. Eine Diskussion findet statt. Menschen finden einander. Kleine Kreise werden gebildet. Ohne Regierung.

    Es gab Universitätsprofessoren, die versucht hatten solche Kreise zu bilden. Rein unpolitisch. Ich habe ein paar Leute kennengelernt, die da mitwirkten. Sie waren erfolgreich. Der Versuch begann in Khatamis Zeiten. Diese Strukturen wurden von der Regierung, damit meine ich die Exekutive, zerstört. Ihre reelle soziale Netzwerke wurden zerstört. Die Aktoren behaupten, dass Reformer die an der Macht waren, solche Strukturen für sich gefährlich fanden. Sie sollen Angst gehabt haben, dass diese Kreise auf Dauer den heutigen Reformer auslösen und unnutz machen. Es sind natürlich nur unbewiesene Behauptungen. Und kaum jemand weiß etwas darüber. Wir versuchen das Gleiche, mit Google Plus und Facebook zu ermöglichen.

    Zu Rafsanjani: klar wollte er etwas ändern. Ich vermute gar, dass er sogar die Sittenpolizei abschaffen wollte. Seine wirtschaftliche Interessen wären in einer westlicheren Staat leichter zu ermöglichen. Ajatalloah Khomeini war es bewusst. Er sprach von "amerikanischem Islam" und hatte nicht viel dagegen. Rafsanjani war bemüht, die Beziehungen mit dem Westen zu verbessern. Und es kann gut sein, dass Mykonos Morde dazu gemacht wurden, diese Bemühungen zum Scheitern zu bringen.

    AntwortenLöschen
  4. PS: Deinen Kommentar konnte nicht auf gängige Art veröffentlichen. Ich weiß nicht warum. Ich hatte den Kommentar per Email von Blogger erhalten. "Veröffentlichen" Knopf war nicht da. Deshalb ist der falsche Datum angezeigt worden. Wahrscheinlich ist es dir unwichtig. Nur flass es dich wundert ...

    AntwortenLöschen