Freitag, 17. Februar 2012

Warum der letzte Protestaufruf im Iran so erfolglos war

"Despite growing dissatisfaction in #Iran today's opposition demo failed to attract new supporters other than groups of 'silent protesters' " 
Tehran Bureau Chief for the Washington Post

von Mana Neyestani

Die Illusionen der iranischen "Opposition" im Ausland

Ein paar oppositionelle Gruppen riefen das iranische Volk im Iran auf, am 14. Februar wieder auf die Straße zu gehen und die lange Stille zur Grünen Bewegung zu beenden.
Wie der Titel dieses Artikels sagt, haben nicht sehr viele Menschen an den Demos teilgenommen, obwohl viel Werbung gemacht wurde mit Flyern, Video-Botschaften, Wall Writing, etc.

Ignorieren wir Webseiten die ihr Wunschdenken als Nachricht verkaufen wollen und diejenigen, die das glauben oder selber weiter fantasieren und die Wurzel der Proteste in irgendwelchen alten iranischen Festen wiedererkennen wollen und sich selbst und ihre Leserschaft belügen. Bleiben wir am Boden der Tatsachen: die Protestaufrufe waren nicht erfolgreich, obwohl die Unzufriedenheit gestiegen ist.

Befassen wir uns lieber mit der Frage nach dem "Warum", oder erklären wir, dass der Aufruf wieder ein Sieg war, weil die Straßen voll von Polizei waren? Ich habe das Gefühl, dass viele Blogger im Ausland sich nicht trauen ihrer Leserschaft zu sagen, was wirklich los ist. Dann lese ich einen Artikel von Transparency For Iran und frage mich, ob diese Aussage ironsch gemeint war: "Mit dem Aufruf des Koordinationsrats der iranischen Reformer zu einem Schweigemarsch am 14. Februar war das Schweigen zumindest in der virtuellen Welt wieder gebrochen" (+)!

Dass viele oppositionelle "Organisationen" im Ausland lieber in Illusionen leben ist schon länger bekannt. Ein Aktivist aus dem Iran schickte mir eine Videobotschaft, in der ein "Oppositioneller" behauptete, dass an einem Tag im Oktober das iranische Volk aus den Häusern ausgehen werde und das Regime wechseln würde. Der Tag sollte gehießen werden: "Tag der iranischen Auferstehung" (روز رستاخیز). Der Aktivist im Iran wollte wissen, ob ich die Gruppe kenne und warum im Iran keiner davon wisse. Es gibt viele oppositionelle Gruppen im Ausland, die unter sich zerstritten sind und behaupten, große Anhänger im Iran zu haben.

Was das alles mit den Demonstrationen vom 14. Februar zu tun hat? Nun, möchte ich fragen, ob wir wie diese Herren in einer Illusion leben möchten oder ob wir die Probleme sehen und lösen möchten.


Warum viele nicht auf die Straßen gingen

Angst ist immer ein Grund, nicht auf die Straße zu gehen: Die Angst davor zu sterben, gefoltert zu werden, verhaftet zu werden. Aber dieses mal gingen viele Iraner bewusst nicht auf die Straße. Das bedeutet nicht, dass die Angst keine Rolle gespielt hat. Sie hat auch am Dienstag bestimmt eine große Rolle gespielt.

Wenn ich mit Aktivisten, Freunden oder meiner Leserschaft im Iran spreche/schreibe, fordere ich sie nie auf, auf die Straße zu gehen. Ich benachrichtige sie und sage "ich kenne die Situation nicht, wollter aber nur Bescheid geben, dass da und da eine Demo statt findet", und ich höre/lese gerne, was sie dazu sagen und respektiere ihre Meinung. Bereits als der Koordinationsrat der Grünen Bewegung sein Statement veröffentlichte, vermutete ich, dass nicht viel zu erwarten bleibt, hier die Gründe:

1. Nach einem Jahr Schweigen lud der Rat die Menschen auf ein paar Stunden schweigsam auf die Straße zu gehen, und dann um 19 Uhr nach Hause gehen. Die Frage, die man sich im Iran stellt, ist: Und dann? Sollen wir auf die Straße gehen, um geschlagen zu werden oder zu sterben, damit irgendwelche Leute im Ausland sagen können "die Grüne Bewegung lebt"? Und das nach den Erfahrungen vom Tahrir-Platz in Ägypten?

2. Wie kann man einer Gruppe vertrauen, deren Mitglieder, bis auf einen, anonym sind? Man weiß, dass einige ihrer Mitglieder in Paris und London wohnen, aber nicht bereit sind zu sagen, wer sie sind. Wollen sie keine Verantwortung übernehmen? Oder wollen sie damit eine Verhandlung mit anderen Gruppen ausschließen?

3. Wie wagt diese Gruppe, das Volk einzuladen auf die Sraße zu gehen, während sie ihre eigenen Politiker nicht danach fragt? Man weiß, dass der Rat aus Reformern besteht. Wo bleiben denn diese Herren während des Schweigemarsches?

4. Wieso wählt der Rat einen Marschweg, der sich mehrfach als schlecht erwies? Eine Straße, die den Sicherheitskräften ermöglicht immer leicht nachzurüsten ist nicht besonders clever, vor allem wenn man bereits schlechte Erfahrungen hat!

5. Und zum Statement: In dem Statement werden die "Werte der Islamischen Revolution" öfter propagiert als im Fernsehen der Islamischen Republik und seine Leser werden mit "alte Freunde der Islamischen Revolution" angesprochen. Wissen sie überhaupt, welche Generation sie bisher unterstützt hat? Interessant ist, dass viele Befürwörter des Schweigemarschs gar nicht vom Statement des Koordinationsrats sprachen.

6. Dass man zusätzlich befürchten muss, dass die Ziele und Slogans der Bewegung von Kadivar und seinen Freunden verfälscht werden ist nichts Neues. Manche befürchten gar, dass die Revolution "wie 1979 gestohlen werden könnte".

Die, die trotzdem auf die Straße gingen

Klar bewundere ich auch all die Menschen, die trotz aller dieser Fragen auf die Straßen gingen, weil sie daran glaubten, dass man jede Gelegenheit nutzen soll. Ich hoffe, dass alle, die verhaftet wurden bald wieder freigelassen werden. Interessant fand ich, dass sie - diejenigen, mit denen ich sprach - vor der Demonstration weder das Statement noch die Strategie des Koordinationsrat verteidigten.

Kommentare:

  1. Tja, eure kleine kotzgrüne Transenbewegung ist halt tot. Da kann man nichts machen

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  2. Dann werdet ihr halt umso radikaler gestürzt.

    Kriegt man eigentlich in Deutschland auch 7 Euro pro Stunde? Oder wiest du besser bezahlt?

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  3. Ay ay ay ay....erst schreiben Sie völlig richtig "Illusion der Opposition" und jetzt machen Sie wieder den gleichen Fehler wie ihre Freunde und erzählen fantasieren mir was von "ihr werdet umso radikaler gestürzt". Und was die Bezahlung angeht:ich werde auf jeden Fall besser bezahlt als politische Flüchtlinge die hier als Asylanten dahinvegetieren. 7 Euro die Minute kommt hin! ;)

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  4. Flüchtlinge verkaufen ihre Würde halt nicht so einfach.

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  5. Würde? die Deutschen um Geld und Unterkunft anbetteln, vom Sozialstaat (Steuern von Anderen) leben, im Ausländeramt als Minderwertig behandelt werden, in der Türkei wie Dreck behandelt werden ...steigert ihre Würde? Sie haben schon längst ihre Würde verloren.

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  6. Verkaufen ist nicht gleich verlieren.
    Jemand ser seine Würde verkauft, ist jemand der z.B. für Geld tötet. Jemand der von Folterknechte gefoltert oder vergewaltigt wird verliert eventuell seine Würde.
    Der zweite wird in der Gesellschaft gefeiert, während der Folterer überal gehasst ist. Sogar hasst eder Folterer eventuell sich selbst und kann wege Schuldgefühle nicht schlafen. Von psychisch Kranken abgesehen.

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