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Mittwoch, 30. November 2011

Fotos aus dem Iran - Bassijis in britischer Botschaft

Bild oben: Offensichtlich lässt die Polizei ohne Widerstand die Bassijis durchgehen. In dem rot markierten Bereich ist laut Amir Farshad Ebrahimi der Bassij-Mitglied Karim Jalali zu sehen.

Dienstag, 29. November 2011

Nicht Studenten, sondern Bassij-Schergen greifen britische Botschaft an

[update 16:40; neue Meldungen, Videos, etc. zunächst nur auf Twitter]

[update: der Spiegel hat sehr schnell seinen Titel korrigiert. Danke schön]

Ich als Iraner verurteile den Angriff von Bassijis auf die britische Botschaft ausdrücklich.

Der Spiegel meldet, dass iranische Studenten die britische Botschaft gestürmt haben. Dabei handelt es sich aber um ein paar bezahlten Bassiji-Schergen. Wie könnte es sonst sein, dass die vor Ort anwesende Polizei, die in der Lage ist, Millionen von Menschen in Teheran zu unterdrücken, nicht in der Lage wäre, ein Dutzend Studenten zu stoppen?

Anscheinend wollen die Mächtigen im Iran das Land stärker in die Isolation führen.

Mittwoch, 20. April 2011

Der Kampf der Konservativen mit sich selbst!

"wenn die Anderen einfach so im Gefängnis sind, müssen wir einander schlagen"
von Nik-Ahnag Kowsar

Irans Konservativen waren sich nicht immer einig, sie haben sich immer wieder gestritten. Auf ihrer eigenen Art und Weise kritisierten sie sich gegenseitig; ganz normal. Kompromisse gingen die Konservativen immer wieder ein, wenn Reformisten eine Gefahr für ihre Macht darstelletn. Während der ersten Regierungsperiode Ahmadinedjads (2005-2009) wurde

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Fotos aus dem Iran (#13)

Hier sieht man zwei Fotos von einem Polizei-Manöver, genannt Stärke--Manöver (مانور اقتدار), in Teheran:


Dienstag, 2. März 2010

Der Staat und die Wohnheime


Jeder Iraner weiß: nicht nur das jetzige Regime Irans schlägt seine Studenten nieder. Am 7. Dezember des Jahres 1953 töteten Regierungkräfte des Schahs drei Studenten. Seitdem ist dieser Tag der Studententag im iranischen Kalender. Damals protestierten die Studenten gegen den Staatsbesuch des amerikanischen Vize-Präsidenten Richard Nixon.

Vor zehn Jahren
Vor allem das Wohnheim der Teheran-Universität war oft Schauplatz der Studentenunterdrückung und Gewalt. Vor zehn Jahren wurde das Wohnheim nachts gestürmt, weil die Studenten sich wegen des Schließens einer Zeitung, die den damaligen Präsidenten Khatami unterstütze, versammelten. Die Hauptstadt war unruhig, die Zeitungen, die von den Unruhen berichteten, verkauften sich gut. Obwohl die Unruhen sehr klein waren, hoffte man auf eine Änderung. Den Studenten wurde von der Regierung viel versprochen, damit sie mit ihren Protesten aufhörten. So kam es zu Gerichtsverhandlungen. Am Ende der Gerichtsverhandlungen bekam nur der Anwalt der Studenten eine lange Haftstrafe. Von den Attackierenden bekam nur einer eine Haftstrafe: für das Klauen einer Rasiermaschine! Daraufhin verlangten die Studenten ein Treffen mit Präsident Khatami. Als er dies ablehnte, fing der Zweifel an den Reformisten an. Manche meinten, die Islamische Republik sei nicht reformfähig, die anderen meinten, Khatami sei ein Philosoph und kein Politiker.   

Vor acht Monaten
Nach den Präsidentschaftswahlen war das Wohnheim der Teheran-Universität wieder einmal Szene der Gewalt (siehe Artikel: Angriff auf Studenten). Iranische Studentenwebseiten wie Amir-Kabir berichteten von einem Angriff von Ansar-e-Hezbollah (siehe Kommentar von Publicola zum oben erwähnten Artikel), die später von der Polizei unterstützt wurde.

Warum hat das Regime solch eine Angst vor den Studenten der Wohnheime?
Die Unterdrückung der Studenten im Iran hat die Studenten noch nie zum Schweigen bringen können. Weder in der Schah-Zeit, noch vor zehn Jahren. Studenten wurden durch solche Aktionen lauter und radikaler. Unpolitische Studenten wurden politisch. 

Studenten im Iran, die in den Wohnheimen leben, sind normalerweise von ärmeren Familien, die sich keine Wohnungen und Häuser mit ihren Freunden leisten können. Mehrere Studenten teilen sich ein Zimmer; sie kennen also die Probleme des Landes gut. Außerdem sind solche Studenten besonders intelligent. Jeder Iraner weiß, wie schwierig es ist, an Universitäten Teherans teilnehmen zu dürfen. Es gibt einen Test, an dem zehntausende teilnehmen. Nur die besten Hundert haben eine Chance sich an Teherans Universitäten einzuschreiben, es sei denn, man ist Bassij-Mitglied. Die Studenten der Teheran-Universität kennen also nicht nur die Probleme, sie verstehen auch die Gründe der Probleme. Und Wohnheime sind eine guter Platz für Meinungsaustausch. Zudem sind iranische Studenten politisch gesehen sehr wichtig (siehe erster Paragraph vom Artikel "Zeidabadi und seine Familie").

Wiederholter Fehler: Snobs, die arm sind

Es heißt, die Sepah rechnete mit kleinen Protesten der Wähler nach der Wahlfälschung. Manche Aussagen der Sepah-Mitglieder bestätigen dies. Ihre Theorie war, Mousavi und Karroubis Wähler seien hauptsächlich Snobs. Schläge man sie einmal mit Schlagstöcken, würden sie zurück in ihre Häuser gehen. So eine Ansicht über die Studenten des Wohnheims zu haben zeigt, wie wenig die Sepah die Gesellschaft kennt.

Dienstag, 23. Februar 2010

Breaking Video: Angriff auf Studenten in Teheran (BBC)

Datum des Geschehens: drei Tage nach den Wahlen im Iran
Ort: Wohnheim der Teheran-Universität

Bemerkung: Das Video wurde erst heute (am Montag, den 22.02.2010) veröffentlicht. Es wurde von Bassij-Mitgliedern gedreht, und nicht wie üblich mit Handys von Demonstranten. Heute wurde das Video an BBC gesendet.

Vorsicht: Das Video beinhaltet brutale Szenen.


Kommentar zum Video:
Minuten 00:40-3:00: Die Bassij will ins Wohnheim einbrechen. Es gelingt ihnen nicht, weil Studenten steinewerfend Widerstand leisten. Spezialeinheiten der Polizeikräfte kommen nach um die Bassij zu unterstützen. Die Bassij und die Polizei dürfen laut Gesetz nur mit der persönlichen Erlaubnis des Universitätsrektors ins Wohnheim eintreten. Das Rektorat bestreitet, eine Erlaubnis gegeben zu haben. 

Minuten 3:00-4:40: Erste verhaftete Studenten werden geschlagen. Man hört sehr oft Bassij-Mitglieder zu den Polizeikräften sagen: "Schlag nicht, Herr, schlag nicht". Die BBC-Moderatorin sagt: "Die BBC zensierte manche an Studenten gerichtete Schimpfwörter, da sie zu vulgär waren." Die Bibliothek des Wohnheims wird in 4:08 Minute gezeigt.

Ab Minute 4:40: BBC-Moderatorin: "Augenzeugen berichteten von einem Schreckenstunnel. Studenten mussten mehrfach durch diesen von der Polizei gebauten Tunnel laufen. Währenddessen wurden sie mit Schlagstöcken geschlagen". Die Anzahl der Bassijis, die "schlag nicht" rufen, steigt.

Bemerkung: Die Studentenorganisation Tahkim-e-Vahdat berichtete von fünf Todesopfern in dieser Nacht. Die iranische Regierung bestritt dies und behauptete, es gäbe nur zwischen hundert und hundertzwanzig Verletzte.

Madyar, ein iranischer Blogger, vergleicht den Fall mit dem Fall im Abu-Ghureib-Gefängnis, und fragt den Leser was schlimmer sei: "In einem Bild sind die Menschen nackt, im anderen haben sie Klamotten an. In einem sind sie aber im Gefängnis, im anderen sind sie an einer Universität".  
  
Fußnote:  
1. Später werde ich mehr über diesen Tag schreiben. Bisher schrieb ich nichts darüber, weil dieses Blog erst später entstanden ist, als diese Ereignisse von der Öffentlichkeit fast vergessen waren. Heute machen sie wieder Schlagzeilen.
2. Vor zehn Jahren wurden Studenten im gleichen Wohnheim auf ähnliche Weise niedergeschlagen.
3. Von diesem Tag hatte man viel gehört. Nicht nur die Opposition, sondern auch die Regierung, darunter auch Ajatollah Chamenei, sprachen von schrecklichen Ereignissen. Er sagte aber, die gewalttätigen Kräfte wären "Feinde" der Regierung. Auf dem Video sieht man aber Uniformierte. Sogar Bassijis hatten an diesem Tag Mitleid mit den Studenten.

Freitag, 27. November 2009

Fotos aus dem Iran (#4)


Ein Foto von der Bassij-Woche


Nein, das ist kein Stand zum Verkauf alkoholischer Getränke. Farsnews ist stolz auf Bassijis, die ausländische alkoholische Getränke konfisziert haben. Alkohol Trinken ist im Iran verboten. Vielmehr will Bassij für sich Werbung machen, indem sie zeigt, wie sie der Bevölkerung den Alkoholkonsum verweigert!




Natürlich gibt es auch Frauen bei der Bassij

Fotos aus dem Iran (#3)


Bassiji-Kinder während einer Übung



Dienstag, 6. Oktober 2009

Darf man mit Bassijis und Pasdaran Mitleid haben?

Wenn ich eine Artikel schreibe, ist mein erster Leser greenlector. Er korrigiert mich grammatikalisch und sagt mir, ob ich etwas besser erklären soll. Ohne ihn wäre es schwieriger für euch diese Seite einfach zu lesen. Er hat mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass ich oft von den Bassij und Pasdaran schreibe, aber sie nie unter die Lupe genommen habe. Deshalb schreibe ich heute endlich über sie.

1. Wer sind die Bassijis? Wie denkt man über sie im Iran? Wie erlebte man die Bassij als Iraner?

Bassijis sind zunächst Mitglieder der paramilitärischen Organisation Bassij. Ursprünglich sollte die Bassij eine freiwillige Organisation sein. Die Mitglieder sollten das Land vor Feinden des Landes schützen, das war während des Iran-Irak Krieges. Kurz davor, nach der Revolution von 1979, sollten sie eigentlich für Ordnung sorgen. Die Regierung war noch nicht stabil. Schon damals haben sie zum Teil die Autos nach illegaler Musik, illegalen Videos und Alkohol durchsucht. Vor allem Jugendliche wurden durchsucht. Dann wurde Rafsanjani Präsident. Er hat versucht diese Art der Durchsuchungen abzuschaffen. Auf seine pragmatische Art hat er nicht viel erreicht. Dann wurde Khatami Präsident. Bassijis waren danach Seltenheit auf den Straßen.  Dennoch, wenn Bassijis an einem Ort wie beispielsweise einem Restaurant waren, mussten junge Männer mit dem Gesicht zur Wand stehen und wurden durchsucht. Durchsucht von sechzehn- bis zweiundzwanzig-jährigen Männern!

Oft wurden Geschwister verhaftet, weil man ihnen nicht glauben wollte, sie seien nur Geschwister. Bis zum nächsten Tag, als die Eltern ihre Kinder abholen durften. Davor waren die Eltern natürlich besorgt darüber, ob ihren Kinder etwas passiert sei.

Mit einem jährlichen Budget von etwa vierhundertmillionen Dollar kann man kaum glauben, dass die Mitglieder nur freiwillig zu der Organisation gehören. Es wird behauptet, die Mitglieder fahren mit Bussen zu den Reden von Regierungsleuten, damit diese behaupten können, sie hätten viele Anhänger. Eine Behauptung, die man spätestens dann glaubt, wenn man die Busse sieht, die aus anderen Städten kommen, voll von Bassiji ähnlich aussehenden Menschen, junge Männer mit Vollbart, ihre Hemden über ihren Hosen.

In einer Großstadt hört man nur im Fernsehen und vielleicht noch in der Schule Gutes über sie, von Lehrern, die wahrscheinlich selbst nichts davon halten.

Die Bassij ist eine Unterorganisation der Sepah Pasdaran. Kurz sagt man Sepah oder Pasdaran. Ajatollah Khomeini, deren Gründer, hat den Milizen und Armeeleuten strikt verboten in die Politik zu kommen. Dies ist aber spätestens seit den Wahlen dieses Jahres nicht mehr der Fall. Karroubi behauptete schon vor vier Jahren, dass die Bassij Ahmadinedjad zum Wahlbetrug half, sonst wäre er gar nicht in die zweite Runde gekommen. Seit längerer Zeit haben die Pasdaran auch wichtige wirtschaftliche Funktionen übernommen, sie nehmen zum Beispiel an Bergbauprojekten teil und sind sehr stark an der Industrie beteiligt.

2. Bassijis sollten keine Feinde der grünen Bewegung sein.

Es ist normal, dass man wütend auf Bassijis wird im Iran. Deshalb schreit man oft "Bassiji, verpiss dich" auf den Demonstrationen. Oder "Wir sind nicht wie Bassijis, wir sind nicht bereit für Geld auf der Straße zu stehen". Man weiß, dass diese Männer meistens Menschen sind, die aus verschiedenen Gründen das politische und soziale Geschehen nicht verstehen und analysieren können und mangels sozialer Fähigkeiten von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Sie wurden gnadenlos von Hardlinern ausgenutzt. Deshalb sollte man versuchen, sie in die Gesellschaft aufzunehmen. Mit Slogans wie: "Bruder, schlag deine Brüder nicht". Seit den Wahlen im Juni sind viele Mitglieder der Pasdaran und Bassij zurückgetreten, weil sie doch zwischen Gut und Böse unterscheiden konnten. Ein ehemaliges Bassij-Mitglied, das im Ausland Asyl genommen hat, schreibt an BBC, dass er, als er aus der Bassij ausgetreten ist, wie ein Verräter betrachtet wurde. Heute bekommt er viele Emails von alten Freunden, die wissen wollen, wie man austreten soll und welche Gefahren es für sie gibt.



Dust and Trash